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Karl Jürgen Skrodzki, Lohmar

»Das Hebräerland« – von Else Lasker-Schüler in Zürich gelesen (1935 und 1937)

Zürich. Eine Dichterin erlebt Palästina. Für jeden gewöhnlichen Sterblichen ist Palästina ein Erlebnis. Wenn eine Dichterin den Boden des Heiligen Landes betritt, formen sich ihre Worte zu einer Hymne. Aus dem Überschwang ihrer Gefühle schöpft sie die Kraft, uns an diesem Erlebnis teilnehmen zu lassen. Else Lasker-Schüler war in Palästina. Aus dem Buch ihrer Empfindungen und Eindrücke las sie am Samstagabend einige packende Abschnitte vor. Die zionistische Ortsgruppe in Zürich hatte zu diesem Abend in die Augustin-Keller-Loge eingeladen. Viele Verehrer der Dichterin waren dem Ruf gefolgt. Ein stimmungsvoller, einzigartiger Abend! Denn Frau Else Lasker-Schüler besitzt auch die große Gabe, ihre Werke eindringlich und gefühlvoll vorzutragen. Nur ein kleiner regietechnischer Fehler beeinträchtigte am Schluß die gute, harmonische Stimmung, da im Nebensaal Menschen sich des Lebens so geräuschvoll freuten, daß die lauten Töne einer Tanzkapelle zeitweise eine schlechte Begleitmusik zu den gefühlvollen Worten der Dichterin bildeten – glücklicherweise erst nach zehn Uhr. – Nicht das Wirtschaftliche bildet für die Dichterin das Attraktive, das Stimmungsvolle beeindruckt sie. Palästina verpflichtet, sagt sie an einer Stelle. Diese Verpflichtung fühlt sie und sie ist eine der Urquellen ihrer Dichtung. So durchstreift sie das Land, so erlebt sie Jerusalem. Für sie bedeuten die wirtschaftlichen Aufbaupläne nichts, ihr imponiert kein Autobusverkehr durch die Wüste, sie sieht die Natur, sie sieht die Erde, sie sieht vor allem die Menschen. Den palästinensischen Bauern, den schönen Gestalten eines neuen Geschlechts gilt ihre Liebe, und über sie »berichtet« sie im Überschwang ihrer Gefühle. Die kleinen Kinder, die nach Sabbath Abend auf dem Rücken der friedlichen Pferde sich tummeln und über die »Pußta« Palästinas galoppieren, besitzen ihr Herz, die edlen Gesichtszüge der Priester ihre Bewunderung. Es ist die formvollendete, religiöse Sprache, die die Werke von Frau Lasker-Schüler auszeichnet, die auch das Reisebuch über Palästina zu einem Kunstwerk machen. Es ist ein Buch, das Palästinas würdig ist. Das ist der Eindruck, den wir an diesem Abend gewonnen haben. Wir freuen uns auf das Erscheinen des Buches. Vor und nachher sprach Frau Else Lasker-Schüler einige ihrer schönen, melodiösen hebräischen Balladen. Die Lyrikerin zeigte ihre einzigartige Kunst. Sie trug schlicht und dank ihrer Sprechkunst eindrucksvoll vor. Am Schluß sprach sie zwei Szenen aus einem neuen Drama. Es spielt in ihrer Heimatstadt Paderborn und erfaßt die einzigartige Atmosphäre dieses westfälischen Städtchens, in dem Katholiken und Juden fast – friedlich nebeneinanderwohnen. Auch mit diesem Vortrag macht uns Else Lasker-Schüler auf das ganze Werk gespannt, da die rezitierten Dialoge von neuem verrieten, was die Dichterin für eine große Gestaltungskraft besitzt. Der starke Beifall zeigte, daß dieser Abend nicht allein dem Berichterstatter, sondern auch dem übrigen Publikum gefallen hatte.   hew

Aus: Israelitisches Wochenblatt für die Schweiz (Zürich). Jg. 35, Nr. 13 vom 29. März 1935. S. 12. – Else Lasker-Schüler hatte am 23. März in Zürich gelesen.

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Zürich. Else Lasker-Schülers Vorlesung. Zwischen den Korrekturarbeiten für ihr neuestes Werk »Das Hebräerland«, fand Else Lasker-Schüler Gelegenheit, wieder einmal ihren zürcherischen Freunden aus ihren schönen Schöpfungen vorzulesen. So lauschten wir älteren und neueren Gedichten der ewig jungen Dichterin; mit einer Kurzgeschichte, in deren Mittelpunkt Prof. Bumm und ein goldenes Medaillon steht, voll köstlichem Humor, erweckte sie große Heiterkeit; mit einer stimmungsvollen hebräischen Ballade schloß sie den Abend. Und auch die Neugierde der Gekommenen wurde befriedigt, denn man konnte nicht nur die Zeichnungen sehen, welche die Künstlerin in Palästina mit kühnem Schwung geschaffen, sie las auch einige Abschnitte aus dem »Hebräerland« vor. Dichterisch, phantasievoll, demutsvoll fromm – so erlebt Else Lasker-Schüler das heilige Land. Sie sieht die Wirklichkeit menschlich, das Land göttlich, und in ihrer Fantasie steigen auch Erinnerungen an bis dahin Erlebtes und visionär Gesehenes auf. Das Reisebuch dieser großen jüdischen Dichterin, das in den nächsten Tagen im Verlag Oprecht erscheint und schon jetzt dort vorbestellt werden kann, zeigt das heilige Land in fromm-dichterischer Verklärung; es entbehrt dabei doch nicht jenen feinen Humor, den die Frau Lasker so gern zu Geltung bringt. Tief ergreifend war die Stelle des Buches, in der sie die Vision an ihren verstorbenen Sohn mit zarter Stimme vorlas; ein Abschnitt des Buches, in dem sie auch ihre Verehrung für Rabbiner Dr. Littmann dokumentierte.   -r-

Aus: Israelitisches Wochenblatt für die Schweiz (Zürich). Jg. 37, Nr. 13 vom 26. März 1937. S. 18. – Else Lasker-Schüler hatte am 19. März in Kramhofsaal gelesen: Die Veranstaltung war an diesem Tag im »Israelitischen Wochenblatt« angekündigt worden.