[177] Else Lasker-Schüler an Emil Raas
Zürich, Donnerstag, 22. April 1937
Aktualisiert: 1. März 2026
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22. IV 37
Bitte verzeiht Blei!
Lieber berner Fürsprech.
Der [fliegende Vogel] schreibt nur heute – bitte Freitagabend bitte sofort retour, da ich in Basel mit Verlag abschließe, der – denken Sie – mein Schauspiel drucken und vertreiben will. Große Sache. Ich muß gewiß einen Tag Basel. Hab auch Geld dafür genug. [2] Sende Ihnen nur 2–3 Sachen bitte Niemand Unterschrift der Schreiber zeigen. Denn von mir etwas Indiscretion Briefe zu zeigen. Sie müßten nur erleben was für Turandot getan wird – nur alles erleben und meine Dichtung fiel ins Wasser. Aber man kann doch verstehen denn es ist ja die Direktorin, das Theater ihrs. Mit Lächeln erzählt sie mir, aber mein [Herz] ist ruhig – steht darüber – vielleicht hört sich das dumm arrogant an, aber ich meine: im religiösen Darüberstehn. [3] Ging gestern noch Selekt; es war gestern wieder schön.
Ich grüße Sie liebemale
Ihr [fliegender Vogel]
M. Brion großer anerkannter Mensch in Paris; er gab zur Übersetzung meine Balladen, Lambert, der sie übersetzte und nun mein Buch. M. B. vielleicht auf englisch. Er spricht Englisch wie Französisch, als ich in Paris war, kam er von Marseille.
[4] Carl Seelig: die Luzerner Bergsteigerfamilie er Dichter.
Anmerkungen
Quelle: The National Library of Israel, Jerusalem, Emil Raas Collection (Arc. 4* 1821 01 37). Druck: Else Lasker-Schüler, Werke und Briefe. Kritische Ausgabe. Im Auftrag des Franz Rosenzweig-Zentrums der Hebräischen Universität Jerusalem, der Bergischen Universität Wuppertal und des Deutschen Literaturarchivs Marbach am Neckar hg. von Andreas B. Kilcher [ab Bd. 9], Norbert Oellers, Heinz Rölleke und Itta Shedletzky. Bd. 10: Briefe. 1937–1940, bearbeitet von Karl Jürgen Skrodzki und Andreas B. Kilcher, Frankfurt am Main: Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, 2009, S. 44.
mit Verlag abschließe • Vgl. zu [Brief 175] (»läßt Aronymus drucken«). – Turandot • Am 18. März 1937 war im Zürcher Schauspielhaus Marianne Riesers Komödie »Turandot dankt ab« uraufgeführt worden. In der »Neuen Zürcher Zeitung« besprach Jakob Rudolf Welti die Inszenierung. Er schreibt: »Die des öfteren von Szenenapplaus unterbrochene, vor vollbesetztem Haus sich abspielende Uraufführung sah am Schluß die reich mit Blumen beschenkte Autorin im Kreise ihrer Mitarbeiter auf der Bühne, wo sie für lang anhaltenden, großen Applaus danken durfte.« (wti. [d. i. Jakob Rudolf Welti], »Turandot dankt ab«. Schauspielhaus [18. März], in: Neue Zürcher Zeitung, Jg. 158, Nr. 504 [Morgenausgabe] vom 20. März 1937, Blatt 2). – meine Dichtung • »Arthur Aronymus und seine Väter«. Vgl. zu [Brief 142] (»mein Stück«). – Selekt • Vgl. zu [Brief 125] (»Künstlercafé: Nordsüd«). – meine Balladen • Vgl. zu [Brief 176] (»meine hebr. Balladen«). – mein Buch • »Das Hebräerland«. Vgl. zu [Brief 146] (»Mein Buch«). – als ich in Paris war • Else Lasker-Schüler war im Juni 1929 von Köln aus nach Paris gereist, um sich mit Marcel Brion zu treffen. Vgl. Else Lasker-Schülers Briefe an Marcel Brion vom 6. und 7. Juni sowie vom 20. Juni und 7. Juli 1929 (Else Lasker-Schüler, Werke und Briefe [...]. Bd. 8: Briefe. 1925–1933, bearbeitet von Sigrid Bauschinger, Frankfurt am Main: Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, 2005, S. 219–221). – Carl Seelig • Carl Seelig hatte am 19. April 1937 an Else Lasker-Schüler geschrieben, dass er »Das Hebräerland« rezensiert habe (The National Library of Israel, Jerusalem, Else Lasker-Schüler Archive [Arc. Ms. Var. 501 05 253]): »Lieber Prinz Jussuf, ich habe heute mit Entzücken dem ›Tages-Anzeiger‹ eine grosse Anzeige Ihres mich beschwipsenden Buches geschickt. Bravo, verehrter Indianer.« – Vgl. S. [d. i. Carl Seelig], Ein buntes Reisebuch, in: Tages-Anzeiger (Zürich), Jg. 45, Nr. 146 vom 25. Juni 1937 (»Literarische Chronik«). In der Besprechung heißt es: »Else Lasker-Schüler, die an der Hand des Glaubens auf die Reise gegangen ist, hat uns eine Psalmodie geschenkt, die wohl wert ist, gelesen zu werden.«